Simone Micheli, die sanfte Energie des Designs

Simone Micheli, die sanfte Energie des Designs

Stories

Eine persönliche und berufliche Erinnerung an einen Meister des zeitgenössischen Designs – zwischen gestalterischer Vision und menschlicher Erfahrung.

Es gibt berufliche Begegnungen, die innerhalb der Grenzen der Arbeit bleiben, und andere, die darüber hinausgehen und eine tiefere Spur hinterlassen. Mit Simone Micheli war es Letzteres.
Ich erinnere mich noch genau an unser erstes Telefonat. Noch bevor wir uns persönlich trafen, hatte Simone bereits verstanden, wer wir waren. Nicht nur, was Fit Interiors machte, sondern wie wir es taten. Er sprach mit Begeisterung, mit einer ansteckenden Leichtigkeit und zugleich mit bemerkenswerter Klarheit. Es war offensichtlich, dass er bereits begonnen hatte zu entwerfen – gedanklich –, noch bevor er uns persönlich begegnete.

Das erste Treffen: Florenz, ein Studio, ein Notizbuch

Unser erstes Treffen fand in seinem Studio in Florenz statt. Ein Raum, der ihn perfekt widerspiegelte: taktil, dynamisch, durchdrungen von Formen, Farben und Ideen.
Wir setzten uns zusammen und sprachen über das Unternehmen, unsere Werte, die Produkte und die Kontexte, in denen sie eingesetzt werden sollten. Er hörte zu, doch in Wirklichkeit baute er bereits eine Vision auf.
Irgendwann griff er zu einem Notizbuch auf seinem Schreibtisch. Kein Pathos, keine Rituale. Und er begann, von Hand zu skizzieren. In nur wenigen Zeichnungen war bereits alles enthalten: der Charakter der Produkte, ihre Identität, die Art und Weise, wie sie mit dem Raum und mit den Menschen in Dialog treten würden. In diesem Moment verstand ich etwas, das ich später in seinem Werk immer wieder erkannte: Simone fügte dem Design nichts hinzu – er legte es frei.
Von dort aus gingen wir innerhalb weniger Monate ganz selbstverständlich zu technischen Zeichnungen, Prototypen und zur konkreten Entwicklung der Kollektionen über.

Eine unverwechselbare Sprache

Mit Simone Micheli erlebte Fit Interiors eine sehr intensive Designphase.
Er brachte in unser Unternehmen eine sofort erkennbare Sprache ein: weich und futuristisch, von natürlichen Formen inspiriert und zugleich von strenger Geometrie geprägt – oft zentriert auf die Vollkommenheit des Kreises.
Sein Design war poppig und zeitgenössisch – niemals zaghaft, stets bewusst. Ein identitätsstiftender Ansatz, der keinen Kompromiss suchte und gerade deshalb selbst in komplexen Umgebungen wie Umkleiden, Wellnessbereichen, Empfangszonen und kollektiven Räumen überraschend funktional war.
Schränke, Bänke, Empfangstheken: Jedes gemeinsam entworfene Element trug jene seltene Kombination aus kreativer Energie und gestalterischer Klarheit in sich, die zutiefst die seine war.

Der „Architect Hero“: ein Manifest, keine Rolle

Simone bezeichnete sich selbst gern als Architect Hero. Das war weder reine Provokation noch ein bloßer Kommunikationskniff.
Es war ein Manifest.
Für ihn trug der Architekt eine Verantwortung: das Leben der Menschen durch Raum, Farbe und Form zu verbessern. Ein „Held“ zu sein bedeutete, den Mut zu haben, Stellung zu beziehen, eine Vision zu verteidigen und daran zu glauben, dass Design ein positives, emotionales, ja sogar freudvolles Werkzeug sein kann.
Hinter dieser starken Aussage stand jedoch ein überraschend umgänglicher, ironischer und direkter Mensch. Niemals distanziert, niemals überzogen in menschlichen Beziehungen. Im Gegenteil: Simone wusste, wie man zugänglich, authentisch und wirklich präsent ist.

Fuorisalone und die Freude am Teilen

Gemeinsam nahmen wir auch an einer seiner Gruppenausstellungen während des Fuorisalone in Mailand teil: *Hotel Regeneration*.
Ein Projekt, das Gastlichkeit als emotionale und sinnliche Erfahrung interpretierte – ganz im Einklang mit seiner Auffassung von Architektur als Erzählung.
Während dieser intensiven Tage – zwischen Installationen, Begegnungen und internationalem Publikum – trat eine weitere seiner großen Qualitäten hervor: seine Fähigkeit zu teilen. Er teilte Ideen, Raum, Aufmerksamkeit. Er ließ jeden Teil einer größeren Erzählung werden. Zwischen dem Autor und dem Projekt gab es nie Distanz. Simone war das Projekt – und dennoch ließ er immer Raum für andere, um einzutreten.

Jahre später, dieselbe Menschlichkeit

Nach dieser intensiven beruflichen Erfahrung vergingen mehrere Jahre. Wir sprachen wieder miteinander, telefonisch, in einem für mich persönlich schwierigen Moment. Ohne Zögern zeigte er sofort Empathie, Nähe und Freundlichkeit – als wäre keine Zeit vergangen.
In dieser einfachen Geste fand ich erneut denselben Simone aus unserem ersten Treffen: einen visionären Architekten, zweifellos, aber vor allem einen Menschen, der wirklich zuhören konnte.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Nach seinem Tod bleibt sein Werk – sichtbar, erkennbar und kraftvoll. Doch es bleibt auch etwas weniger Greifbares, vielleicht sogar Wertvolleres: die Art und Weise, wie er Architekt sein konnte, ohne jemals aufzuhören, Mensch zu sein.
Für Fit Interiors bedeutete die Zusammenarbeit mit Simone Micheli weit mehr als die Entwicklung von Produktlinien. Sie bedeutete, sich auf eine Vision einzulassen, gemeinsam zu wachsen und sich daran zu erinnern, dass das beste Design immer aus der Begegnung starker Ideen mit authentischen Menschen entsteht.

Andrea Pavolucci, CEO Fit Interiors

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